BRICS und Putins Krieg.


Die EU ist gerade dabei, das 18. Sanktionspaket gegen Russland zu schnüren. Grund: Russlands Krieg gegen die Ukraine und kein Ende in Sicht. Man kann schon vorhersagen, das Schicksal dieses Paketes wird ein ähnliches sein, wie die 17 vorher beschlossenen Pakete: der sichtbare Erfolg bleibt aus. Für Putin sind Sanktionen kein Grund, den Krieg zu beenden. In Europa fragt man sich, warum entfalten die ausgeklügelten Maßnahmen kaum die erhoffte Wirkung?

Die Zauberformel, die Putins kriegerische Expansionspolitik möglich macht, lautet BRICS. BRICS ist jener aufstrebende Wirtschaftsraum, der den G-7-Staaten (große Industrienationen) und der EU am Weltmarkt trotzig die Stirn bietet. BRICS ist der lose Zusammenschluss von Brasilien, Russland, Indien, China, Südafrika zu einem gemeinsamen Wirtschaftsraum, ehemals als Schwellenländer bezeichnet. Assoziiert sind noch 14 weitere Staaten, vorwiegend aus dem Nahen und Mittleren Osten. Darunter ist auch der Iran, ein enger Verbündeter Russlands. So wirken die EU-Sanktionen nur eingeschränkt, weil Russland über diesen Wirtschaftsraum ganz legal alles beschaffen kann, was für seine Kriegswirtschaft notwendig ist, auch Hochtechnologie.
Man wunderte sich lange, wieso bei abgeschossenen russischen Drohnen und Raketen, auch bei jüngsten Baureihen, hochsensible Komponenten aus dem Westen trotz Sanktionen zu finden sind. Sie fanden mit hoher Wahrscheinlichkeit den Weg über BRICS-Staaten nach Russland. So funktionieren eben global vernetzte Handelsströme. Man kann kein Land langfristig wirksam isolieren. Es wird sich immer wieder jemand finden, der gegen harte Währung und hohen Gewinn auch zu illegalen Geschäften bereit ist. Dieses Monopoly gelingt durch in sich verschachtelten Zwischenhandel, wobei die geächtete Ware oft mehrmals rund um den ganzen Globus reist. Am Ende weiß man nicht, wer der eigentliche Übeltäter bzw. Sanktionsbrecher ist.
Gleichgültig, wie viele Menschen dabei den Tod finden, egal wie viel Leid und Zerstörung damit verbunden ist, alles egal, Hauptsache die Kasse stimmt. Nordkorea und der Iran zeigen seit vielen Jahren, wie man die härtesten Sanktionen umgeht. Sie sind treue Partner Russlands und Profis im Aushebeln von Handelshindernissen.


Welche alternativen Maßnahmen hätte der Westen, insbesondere Europa, um den Druck auf Putin so zu erhöhen, damit er diesen Krieg endlich beendet? Die Antwort wäre naheliegend: Die Kosten des Krieges so teuer zu machen, dass er sich ihn nicht mehr leisten kann. Dies bedeutet, noch mehr und noch bessere, speziell weitreichende Waffen in die Ukraine zu bringen. Das Kriegsmaterial schon dort zu zerstören, wo es produziert wird, wäre die sinnvollste, weil humanste Lösung. Doch leider fehlt es in Europa offensichtlich an den Ressourcen, möglicherweise auch an Mut, und in Amerika, seit Trump, am ernsthaften Willen, diesen Druck aufzubauen. Bereits heute investiert Russland ca. 40 % seiner Wirtschaftsleistung in Kriegsgüter, welche in der Ukraine in wenigen Wochen zu Schrott verarbeitet werden. Das ist absurd und volkswirtschaftlich verheerend. Ein einfaches Milchmädchen kann an den Fingern ihrer beiden Hände ausrechnen, wohin diese Wirtschaftspolitik führt. So wirtschaftlich stark kann eine Volkswirtschaft gar sein, dass diese Politik nicht in den Ruin führt. Aber im Moment spielt dieser Umstand in Putins Kopf keine Rolle. Fast eine Million tote oder schwer verwundete eigene Soldaten erzeugen bei ihm keine Nachdenklichkeit. Das will etwas heißen. Noch weniger Sorgen macht er sich über jene Zivilisten in der Ukraine, die er nächtens aus den Betten bomben lässt. Menschenschicksale spielen in seinen Überlegungen grundsätzlich keine Rolle.

Aber auch für das Druckmittel, die Kriegskosten hochzutreiben, gilt, ebenso wie für die Sanktionen, eine schnelle Wirkung gibt es nicht. Alles wirkt träge und langfristig, unter Umständen bis weit nach einem regulären Kriegsende hinaus. Das Sterben am Kriegsschauplatz Ukraine geht aber jetzt tagtäglich unvermindert weiter. Guter Rat, wie diese Tragödie rasch zu beenden sei, ist teuer und nicht schnell zu haben. Sogar der „weise Dealmaker“ Donald Trump irrte sich gewaltig, als er meinte, durch seinen Einfluss auf Wladimir Putin den Krieg innerhalb von 24 Stunden beenden zu können. Nichts da, Putin hat andere Pläne. Bis auf Weiteres.

Update vom 19.09.2025: Mittlerweile spricht man bereits vom 19. EU-Sanktionspaket. Schicksal, wie bekannt.

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