Eine Männer-Freundschaft!
Offen gesagt, mir schwant Fürchterliches für die Welt. Die angestrebte innige Männer-Freundschaft zwischen Donald Trump und Wladimir Putin bereitet Sorgen. Es kann sein, dass Donald beim Umbau der amerikanischen Gesellschaft – weg von einer pluralen Demokratie, hin zu einer Autokratie der Reichen – manchen guten Rat und allerlei Unterstützung von einem Staatsmann benötigt, der keinerlei Skrupel in solchen Fragen kennt. Die Erkenntnisse des Wladimir Putin beim Umbau des russischen Staates von einer einfachen zu einer zutiefst repressiven Diktatur könnten für Donald lehrreich sein. Aber auch die Erfahrungen bei der Umvolkung, sprich Russifizierung, der Ukraine wären für Donald bei der Umgestaltung seines Landes, seines großen Amerikas, sehr hilfreich. Könnte er meinen. Immerhin schwebt ihm die Eingliederung von Kanada und Grönland in den amerikanischen Staatenbund vor. Das wird auch keine einfache Aufgabe, gegen den Willen der betroffenen Länder, dies umzusetzen. Das wird auch nicht ohne Gewalt möglich sein. Schließlich verbinden beide also das hohe Ziel, ihre Länder besonders „great again“ machen zu wollen und dabei auf demokratische Spielregeln zu pfeifen. Jeder auf seine Weise. Für Donald spielt es offensichtlich keine Rolle, dass sein neu erwählter Freund Wladimir vom Internationalen Gerichtshof in Den Haag als Kriegsverbrecher zur Verhaftung ausgeschrieben ist. Er selbst kann auch für sich in Anspruch nehmen, manche Gesetze in Amerika gebrochen zu haben.
Also, es passt. Sie wären also Brüder im Geiste.
Doch für diese angestrebte Freundschaft gibt es ein gravierendes Hindernis. Jemand sollte Donald endlich darauf aufmerksam machen, dass zwischen der Männer-Freundschaft von Wladimir Putin und dem chinesischen Staatschef Xi Jinping kein Blatt Papier passt. Diese beiden Männer hatten schon lange vor Trump die Idee, ihre Reiche zu Weltreiche auf Kosten anderer und zum Nachteil der eigenen Bevölkerung umzuformen. Da wird er immer der Zweite bleiben. Alternativ könnte er in Europa viel mehr gute und nützliche Freunde finden. Das will er aber nicht. Er will partout Wladimir zu seinem „best Buddy“ für seine Präsidentschaft erwählen.
Freundschaftsgesten als Einstiegsgeschenke auf Kosten anderer inklusive.
Dass sich Trump einen bedingungslosen Waffenstillstand vor langwierigen Friedensverhandlungen zwischen Russland und der Ukraine durch Putin ausreden ließ, zeigt, wie bizarr Trumps Gedankenwelt wirklich ist. Putins Strategie ist doch offensichtlich: Mit der ukrainischen Führung, um ihren Frieden unter Fortführung des Krieges so lange (zum Schein) zu verhandeln, bis der letzte widerständige Ukrainer im russischen Kugelhagel gestorben und das Land leichte Beute geworden ist. Wie leichtgläubig kann man als „großer Dealmaker“ (ein Titel, den Trump für sich in gerne Anspruch nimmt) denn sein, diese Falle nicht zu erkennen, die ihn da Putin stellte? Ist es gar Dummheit, Ignoranz und Selbstüberschätzung, die dabei eine Rolle spielen? Oder noch schlimmer, ist es der Versuch einer Kumpanei mit einem ausgewiesenen Kriegsverbrecher, was diesen Mann aus den USA leitet? Möglicherweise soll die Ukraine als Morgengabe für eine eigentlich aussichtslose, einseitige Männer-Freundschaft geopfert werden. So wird es mit dem begehrten Friedennobelpreis wohl nichts werden.
Zugegeben, dieser Beitrag wird überwiegend von Ironie geleitet. Aber offensichtlich ist die Realität nur so zu ertragen.
Text überarbeitet am 28.08.2025