4.600 EUR Mindestsicherung für beschäftigungslose Asylberechtigte. Ein unglaublich beeindruckender Betrag wird ohne Gegenleistung monatlich an eine Flüchtlingsfamilie ausbezahlt. Von diesem Geldsegen können sie natürlich in Saus und Braus leben und müssen sich nicht mehr um Arbeit kümmern. Die soziale Hängematte ist also gut und bequem eingerichtet. Bezahlt von anständigen Bürgern, die täglich aufstehen und brav zur Arbeit gehen.
So zumindest lautet der Grundtenor des Sommeraufregers dieses Jahres. Zufällig fällt dieser Sommer auf ein Wahljahr und da passt ein derartiger Aufreger natürlich dazu, um die Stimmung an den Stammtischen und beim Sonntags-Frühschoppen ordentlich anzuheizen.
In der heiß geführten Debatte um übertriebene soziale Wohltaten für Asylberechtigte geistert nun diese große Zahl, also 4.600 EUR, durch die Diskussionsblasen.
Ist Österreich wirklich das gelobte Land für Migranten und Asylsuchende? Wird ihnen hier die gut gepolsterte Hängematte einfach auf Staatskosten und zum Nachteil der arbeitenden Bevölkerung ausgerollt?
Ein nüchterner Blick auf die Realität bringt Klarheit. Im zitierten Fall geht es um eine Flüchtlingsfamilie aus Syrien mit sieben Kindern und zwei Erwachsenen, somit um insgesamt neun Personen. Eine derart große Familie ist auch unter Flüchtlingsfamilien eine echte Seltenheit. Wir diskutieren hier also von einer Ausnahme und nicht von der Regel!
Schauen wir jetzt trotzdem auf die Fakten. Um eine so große Familie angemessen unterzubringen, ist eine Unterkunft (Wohnung oder Haus) von mindestens 140 m² Wohnfläche notwendig. Das entspricht einer durchschnittlichen Nutzfläche von ca. 15,6 m² pro Person, also auch gerade nicht Luxus. Eine derart große Wohnung wäre in Wien am freien Wohnungsmarkt sicher nicht unter 2.500 EUR, Kaltmiete, zu bekommen. Solche Wohnungsgrößen unterliegen nicht mehr den Beschränkungen des Mietrechtsgesetzes, die Miethöhe kann also frei vereinbart werden. Wer vermietet sein Eigentum zu Schleuderpreisen? Mit Sicherheit gibt es im Wiener Umland auch kein Haus unter diesem Betrag zu mieten, das eine ähnliche Wohnnutzfläche aufweist. Dazu kommen selbstverständlich Heizung und Energiekosten. Vorsichtig geschätzt bleiben also rund 1.800 EUR für die Lebenshaltungskosten. Umgerechnet also sage und schreibe 200 EUR pro Person und Monat. Von Wohlstand und Hängematte kann also keine Rede sein. Dieser Familie fliegen sicher keine gebratenen Tauben freiwillig zu. Im Gegenteil, ein sehr spitzer Rechenstift ist gefragt.
Plötzlich wird aus einer großen Zahl, die so viel Aufregung verursacht, eine sehr niedrige. Wohl nicht geeignet für eine Neiddebatte.
Gerade das Beispiel dieser Familie eignet sich jedoch besonders gut, um dem echten Geheimnis der „Großen Zahl“, welches sich hinter diesem Thema verbirgt, auf die Schliche zu kommen. Drehen wir die Diskussion einfach um. Was tut diese Flüchtlingsfamilie für unsere Gesellschaft? Angenommen, unsere Zivilgesellschaft, sowie die mit der Thematik betrauten öffentlichen Einrichtungen bringen das notwendige Vertrauen auf, damit diese Familie gute Grundlagen vorfindet, sich in unserem Land zu integrieren. Die Kinder bekommen also jene notwendigen Förderungen, die ihrem geistigen und physischen Fähigkeiten entsprechen. Weiter angenommen, die Familie beabsichtigt rechtschaffen eine solide Existenz in unserem Land aufzubauen. Davon sollte man ausgehen, denn niemand verlässt seine Heimat, um woanders in der sozialen Hängematte sein weiteres Leben zu verbringen. Dieses Minimum an Vertrauen sollten wir erst einmal gelten lassen. Unterstellt man ferner, aus diesen Kindern werden einfache Arbeiter oder Handwerker. So wird jedes von ihnen 45 Jahre oder umgerechnet 540 Monate lang Steuern und Sozialversicherungsbeiträge als Arbeitnehmer bezahlen. Unterstellt man dabei eine durchschnittliche Abgabenleistung von rund 1.000 EUR Steuern und Sozialversicherungsbeiträge pro Monat, so bringt das dem Staat und seinen Institutionen einen Betrag von mindestens 540.000 EUR auf die Lebensarbeitszeit gerechnet. Alle sieben Kinder dieser Familie bringen also eine erwartbare Abgabenleistung von knapp 3,8 Millionen EUR auf. Dem gegenüber steht ein Mindestsicherungsbezug, vorsichtig und unter sehr pessimistischen Annahmen gerechnet, eine Bezugsdauer für die nächsten 15 Jahre zu Buche. Daraus ergibt sich eine Geldleistung von etwa 1 Million EUR, wobei der Bezug in Wirklichkeit kontinuierlich abnimmt, sobald die Kinder sukzessive selbst berufstätig werden und aus der öffentlichen Versorgung fallen. Das ergibt ein klares Plus von 2,7 Mio. für das Sozialversicherungssystem und das Gemeinwohl. Ja, das ist also die „Große Zahl“, die beeindrucken kann. Sie bringen also mehr als das Dreifache in das System, als sie tatsächlich aus dem System an Hilfen beziehen. So gesehen ist diese Hilfe kein verschwendetes Geld, auch wenn der Staat erst einmal in Vorleistung geht.
Nicht auszudenken, diese Kinder besitzen darüber hinaus gehende Fähigkeiten und Talente. Aus ihnen werden möglicherweise nicht nur Arbeiter, sondern Akademiker, Sportstars, Olympiasieger, Weltmeister, erfolgreiche Unternehmer oder gar große Politiker, auf die die Nation stolz sein kann. Dann sieht diese Rechnung vollkommen anders aus, also noch viel besser. Das alles soll schon dagewesen sein. Auch dafür gibt es Beispiele. David Alaba, Mirna Jukic´ oder Alma Zadic, um nur ein paar Namen zu nennen. Das ist die monetäre Seite der Thematik, alle anderen positiven Aspekte bleiben dabei noch unberücksichtigt. Zum Beispiel, der positive Beitrag auf die demografische Entwicklung unseres Landes, sprich, das Gegengewicht zur Überalterung der heimischen Bevölkerung.
Hunderttausende Menschen sind in den vergangenen Jahren, extrem in den Flüchtlingsjahren 2015 und 2016, in unser Land gekommen. Der Großteil dieser Menschen hat sich integriert und sie sind wertvolle Mitglieder unserer Gesellschaft geworden. An ihnen allen könnte man eine ähnliche Gewinn-Verlust-Rechnung anstellen, die klar zum Wohl unseres Landes aufgeht. Es soll aber nicht verhehlt werden, dass es auch viele Probleme gibt. Dort sollte, dort muss der Staat mittels seines Macht- und Gewaltmonopols mit rigorosen Maßnahmen derartigen Entwicklungen Grenzen setzen. Auch dafür hat jeder human denkende Bürger dieses Landes volles Verständnis.